Kennst Du das?
Manchmal weiß unser Bauch schon, dass etwas nicht stimmt, während unser Verstand noch versucht, die Situation zu verstehen. Ein Satz, ein Blick, ein Moment der Unsicherheit – und plötzlich zieht sich im Bauch alles zusammen.
Wir alle kennen das: Schmetterlinge im Bauch, ein flaues Gefühl vor einem wichtigen Gespräch oder ein Krampf, wenn uns etwas emotional trifft.
Doch wie bewusst nehmen wir wahr, wie eng unser Bauch, unsere Gefühle und unser Denken miteinander verbunden sind?
Ich durfte darüber in den vergangenen Wochen auf eine sehr intensive Weise lernen. Nicht in einem Seminar. Nicht in einer Ayurveda-Ausbildung. Sondern durch meine eigene Erfahrung nach einer Operation.
Mein persönlicher AHA-Moment: Wenn die innere Mitte plötzlich fehlt
Ich bin Yogalehrerin. Ich zeige Menschen, wie sie sich aufrichten, ihre Haltung finden, bewusst atmen und wieder mehr Verbindung zu sich selbst aufbauen können.
Und dann lag ich plötzlich selbst da.
Meine Bauchdecke war operiert worden. Mein Körper brauchte Zeit, um zu heilen. Was vorher selbstverständlich gewesen war, wurde auf einmal zur Herausforderung: aufstehen, mich bewegen, mich aufrichten.
Meine innere Mitte, auf die ich mich sonst so selbstverständlich verlassen hatte, fühlte sich plötzlich ganz anders an.
Schon das Aufstehen konnte enorme Schmerzen verursachen. Bewegungen, über die ich früher nicht einmal nachgedacht hatte, verlangten mir plötzlich alles ab.
Ich musste lernen, geduldig zu sein. Mich nicht ständig an meiner früheren Leistungsfähigkeit zu messen. Und vor allem: liebevoll mit mir selbst umzugehen.
Denn Heilung lässt sich nicht erzwingen.
Der Bauch reagiert – und der Kopf kommt erst später
Ein besonders eindrückliches Erlebnis hatte ich, als ich starke Schmerzen hatte und auf Unterstützung angewiesen war.
Ein forsch gesprochener Satz oder eine Situation, die ich als ungerecht empfand, konnte in diesem verletzlichen Zustand unmittelbar etwas in mir auslösen. Ich spürte, wie sich mein Bauch zusammenzog, wie ich verkrampfte und meine Atmung ins Stocken geriet.
Erst danach konnte ich richtig erfassen, was mich gerade so getroffen hatte.
Die Wissenschaft beschäftigt sich mit dieser Verbindung unter dem Begriff Darm-Hirn-Achse. Darm und Gehirn stehen über verschiedene Wege miteinander in Verbindung, unter anderem über Nervenbahnen, hormonelle Signale und das Immunsystem.
Das bedeutet nicht, dass unser Darm jede Entscheidung trifft. Es bedeutet vielmehr: Unser körperliches und emotionales Erleben sind enger miteinander verbunden, als wir im Alltag oft wahrnehmen.
Manchmal lohnt es sich, kurz innezuhalten und zu fragen: Was brauche ich gerade wirklich?
Atmen, wenn alles eng wird
Eine meiner wichtigsten Erfahrungen während dieser Zeit war die Bedeutung der Ausatmung.
Wenn Schmerzen und Anspannung zunehmen, kann sich die Atmung verändern. Man hält unwillkürlich die Luft an, atmet flacher oder verkrampft zusätzlich.
Zum Glück gebe ich Kurse zum Thema Atem-Meditation und ich machte eine eine sanfte Bauchatmung bis hin zur Meeresatmung für mehr Kraft und Entspannung zugleich. Gerade weil ich noch nicht richtig laufen konnte, war es wertvoll, etwas zu haben, das ich im Liegen bewusst üben konnte.
Das ruhige, angenehme Atmen gab mir einen Moment, in dem ich mich wieder sammeln konnte. Es war kein Zaubermittel gegen die Schmerzen, aber es half mir, mich bewusster wahrzunehmen.
Auch liebevolle Worte, eine achtsame Berührung und das Gefühl, ernst genommen zu werden, machten einen Unterschied.
Mir wurde noch einmal deutlich, wie verletzlich wir sein können, wenn wir auf Hilfe angewiesen sind. Ein Satz kann verunsichern. Ein anderer kann Geborgenheit vermitteln.
Wie wir mit uns selbst sprechen, ist ebenso wichtig wie die Worte, die wir von anderen hören.
Ich muss stark sein – oder darf ich auch einmal schwach sein?
Ein Glaubenssatz begleitet mich schon lange: Ich muss stark sein.
Als selbstständige Frau, als Yogalehrerin und als jemand, der andere Menschen begleitet, möchte ich handlungsfähig sein. Ich möchte Lösungen finden und nach vorne schauen.
Doch was passiert, wenn das gerade nicht möglich ist?
Wenn ich nicht einfach aufstehen kann? Wenn ich Hilfe brauche? Wenn mein Körper Grenzen setzt, die mein Kopf noch nicht akzeptieren möchte?
Ich bemerkte, dass mich der Gedanke, nicht leistungsfähig zu sein, zusätzlich belastete.
Also begann ich, mich bewusst an etwas zu erinnern: Ich darf gerade dort sein, wo ich bin.
Ich muss meine Situation nicht schönreden. Ich muss nicht so tun, als wäre alles leicht. Und ich muss mich nicht dafür verurteilen, dass ich traurig, erschöpft oder hilfsbedürftig bin.
Manchmal ist Selbstfürsorge schlicht die Erlaubnis, gerade nicht stark sein zu müssen.
Was hat das alles mit unserer Darmgesundheit zu tun?
Unser Darm ist nicht nur ein Organ, das Nahrung verarbeitet. Er ist Teil eines komplexen Systems, das unter anderem mit unserem Nervensystem und unserem Immunsystem zusammenarbeitet.
Eine vielfältige Ernährung, ausreichend Flüssigkeit, Bewegung im Rahmen der eigenen Möglichkeiten und erholsamer Schlaf sind wichtige Bausteine für unser allgemeines Wohlbefinden und eine gesunde Verdauung.
Auch Stress und emotionale Belastungen können sich auf die Verdauung auswirken. Umgekehrt können Beschwerden im Verdauungstrakt unser Wohlbefinden und unsere Stimmung beeinflussen. Wie in 30 Tagen eine kleine Panchakarma Kur zu Hause aussehen kann….mehr darüber hier im Newsletter.
Dabei ist wichtig: Nicht jede Verdauungsbeschwerde hat dieselbe Ursache. Anhaltende Schmerzen oder auffällige Veränderungen der Verdauung sollten medizinisch abgeklärt werden.
Eine Darmsanierung ist kein einheitlich definierter medizinischer Eingriff. Mir geht es deshalb nicht um eine radikale Reinigung oder darum, den Körper mit strengen Regeln unter Druck zu setzen.
Mir geht es um etwas anderes: bewusster wahrzunehmen, was wir unserem Körper täglich geben – und was wir ihm zumuten.
Wie essen wir? Wie schnell essen wir? Nehmen wir uns Zeit? Wie gehen wir mit Stress um? Und wie gut gelingt es uns, im Alltag immer wieder zur Ruhe zu kommen?
Ayurveda: Zurück zu einer liebevollen Routine
Im Ayurveda spielen die tägliche Lebensgestaltung, die Ernährung, die Verdauung und ein möglichst ausgewogener Lebensstil eine wichtige Rolle.
Dabei geht es nicht darum, perfekt zu leben. Es geht darum, herauszufinden, welche Gewohnheiten uns guttun und welche wir verändern möchten.
Ein paar einfache Fragen können der Anfang sein:
- Esse ich regelmäßig und in Ruhe?
- Trinke ich über den Tag verteilt ausreichend?
- Bewege ich mich so, wie es zu meiner körperlichen Verfassung passt?
- Gönne ich mir Pausen, bevor mein Körper mich dazu zwingt?
- Wie spreche ich mit mir selbst, wenn etwas nicht gelingt?
Schon kleine Veränderungen können mehr Bewusstsein in den Alltag bringen.
Für mich gehören auch Atemübungen, entspannende Musik und persönliche Rituale dazu.
Was ist es bei Dir?

Ayubowan!
Hab ein gesundes, langes, glückliches Leben!
Deine Purnima Petra Oehms